Kampf in der Luft

Hochbetrieb in einer Küche im Oberdorf. Die große Zinkwanne, in der sonst stark verschmutzte Wäsche eingeweicht wird, steht jetzt in der Küche, und auf dem Herd wartet ein Kessel mit warmem Wasser. Die samstägliche Säuberung dreier Jungen beginnt, denn alle sind im besonders schmutzanfälligen Alter zwischen zwei und acht Jahren.
Plötzlich hört man Motoren in der Luft – Gott sei Dank nicht das tiefe, gleichmäßige Brummen schwerer Bomber, sondern hellere Motoren. Sie werden lauter, dann leiser und bald wieder lauter. Den Ältesten hält es nicht in der Wanne, er wirft sich ein Hemd über, schlüpft rasch in seine Hose und läuft aus dem Haus, um besser zu sehen. Am Himmel über dem Dorf kreisen Flugzeuge, drei Maschinen sind es. Sie scheinen sich zu jagen, und aus ihren Bordkanonen wird geschossen.
Die Bahnen der Leuchtspurmunition zeigen, wer in welche Richtung und auf wen feuert. Es ist ein Kampf zwei gegen einen.
Jetzt verliert eine der Maschinen, eine deutsche, plötzlich an Höhe. Der Achtjährige hat große Angst, dass sie in sein Elternhaus oder das Nachbarhaus krachen wird. Sie streicht tief darüber hinweg, schafft es sogar über die Häuser der oberen Heipel und stürzt Sekunden später in den dahinter ansteigenden Wald. Der Pilot hat sich anscheinend gerettet, denn in der Luft schwebt ein Fallschirm.
In einiger Entfernung davon wird ein viertes Flugzeug beschossen, aus einer deutschen Flakstellung, vermutlich im Rärer Wald. Man sieht, dass die Maschine einen Treffer erhält. Sie fliegt weiter. Bald jedoch sind neue Fallschirme in der Luft, zuerst einer, dann zwei, drei, vier, fünf. Alle hintereinander. Ihre Anzahl deutet darauf hin, dass es sich um die Mannschaft eines feindlichen Bombers handeln muss, die da abgesprungen ist. Trotz des Treffers hält ihr Flugzeug sich noch waagerecht, fliegt Richtung Osten und verschwindet aus dem Blickfeld.
In der Nachbarschaft sammeln sich einige Männer des Volkssturms, Veteranen des letzten Kriegs. Sie wollen die feindlichen Soldaten nicht davonkommen lassen. Ihre Fallschirme wären ein leichtes Ziel, auf das man schießen könnte. Nachbarn versuchen, sie davon abzubringen, schlagen den Volkssturmleuten sogar auf ihre Gewehrläufe.
Inzwischen treibt der Wind die Fallschirme ab. Zumindest gefangen nehmen muss man die feindlichen Flieger, das sehen die Männer des Volkssturms als ihre Aufgabe. Uneinig sind sie nur, wo die Fallschirme landen werden. Einer vermutet links vom Tal, die anderen eher rechts davon. Schließlich eilen sie aus dem Dorf. Während sie links den Hang hinauf laufen, treibt der Wind die Bombermannschaft auf die andere Talseite ab, wo sie unbehelligt landen und sich verstecken wird. Die Polizei spürt sie in den folgenden Tagen auf und bringt sie in ein Gefangenenlager.
Der feindliche Bomber ist in fünf Kilometern Entfernung abgestürzt. Einige Schuljungen machen sich auf den Weg dorthin. Sie sehen ein auseinander gebrochenes Flugzeug, aber auch, dass darin ein Mann nicht überlebt hat. Vielleicht war es der Pilot, der die Maschine möglichst lange in der Luft halten und eine Notlandung versuchen wollte, nachdem alle seine Kameraden abgesprungen waren.
Das deutsche Flugzeug hat sich tief in den Waldboden gebohrt und ist nur noch Schrott. Später erfährt man, der Pilot sei mit dem Fallschirm an der Grenze zum Nachbardorf gelandet, leicht verletzt und mittlerweile genesen.
Ein damals elfjähriger Augenzeuge benötigt über 70 Jahre später nur zwei Minuten, um eine alte Schwimmweste vom Speicher zu holen und sie dem staunenden Zuhörer vorzulegen, samt angeschlossener Gaspatrone zum schnellen Aufblasen bei einer Notlandung im Wasser. Einzelne Aufschriften in englischer Sprache sind noch lesbar.
Gefunden wurde diese Ausrüstung bei der Haubergsarbeit in dem Gebiet, wo die Mannschaft des feindlichen Bombers mit ihren Fallschirmen gelandet war. Sogar eine Pistole lag damals in der Nähe.
Ein Großvater, der aus zwei langen Kriegen wusste, wozu Menschen fähig sind, hat die Waffe sofort im Waldboden vergraben, denn es war schon genug Unheil angerichtet worden.

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